Weltfrauentag: Heute trage ich weiß

Frau in weiß

Inhaltsverzeichnis


Der 8. März – Sichtbarkeit in Weiß
Warum ich heute Weiß trage
Mein eigener Anteil am System
Toxische Rollenbilder unter Frauen
Die stillen Momente der Ungleichbehandlung: Care-Arbeit, Selbstwert und finanzielle Eigenständigkeit
Das Patriarchat – was es bedeutet
Was wir unseren Töchtern und Söhnen vorleben
Frauen stärken statt Frauen kritisieren
Warum Kampf keine Gleichwertigkeit schafft
Frieden beginnt bei mir

Weltfrauentag. Heute trage ich weiß

Der 8. März – Sichtbarkeit in Weiß

Heute ist der 8. März.

Weltfrauentag.

In vielen Ländern ist dieser Tag auch ein Frauenstreiktag: Streikende Frauen wollen auf immer noch bestehende Ungleichheit im Geschlechtervergleich durch das Tragen von weißer Kleidung sichtbar machen. Sie erinnern durch das Tragen der offiziellen Farbe vieler früher Frauenrechtsbewegungen in England und USA an die Qualität und Reinheit ihrer Ziele damals wie heute.

Warum ich heute Weiß trage

Ich trage heute auch Weiß. Aber nicht, weil ich kämpfe. Nicht gegen Männer. Nicht gegen das Patriarchat.

Auch nicht, weil ich für irgendeine Ideologie kämpfe.

Ich trage weiß, weil ich daran erinnern möchte, dass nach wie vor Ungleichbehandlung zwischen den Geschlechtern in der Welt existiert, zu dieser Zeit, in der Frauen und Männer aufgrund ihres Geschlechtes nicht die gleiche Behandlung erfahren.

Mein eigener Anteil am System

Ich möchte mich vor allem selbst daran erinnern, wie oft ich nicht meine Frau gelebt habe und damit selbst als Teil des gesellschaftlichen Musters des sogenannten Patriarchat bin.

Das klingt unbequem. Ist es auch. Denn es bedeutet ehrlich hinzuschauen.

Wie Sophia Fritz in Toxische Weiblichkeit schreibt, stabilisieren wir Frauen dieses System der Ungleichbehandlung, haben daran oft unbewusst Anteil durch die verschiedenen Rollen, die wir leben, die Mutti, die alle bemuttert und sich selbst dabei vergisst, das Opfer, die Frau, die in Form des  Nichthandelns sich selbst in der sozial erlernten Hilflosigkeit unterordnet und nicht in ihre Kraft kommt, die Powerfrau, die krampfhaft männliches Verhalten an den Tag legt, um ihren Kollegen und Kolleginnen zu beweisen, dass sie so gut – mindestens so gut ist wie ein Mann. Auch die Bitch, die andere Frauen runtermacht und nach Maßgabe männlich geprägter Rollenbilder kritisiert, statt sie zu unterstützen.

Toxische Rollenbilder unter Frauen

Ich möchte mich vor allem an mein eigenes Verhalten gegenüber Frauen und Männern in klassischen Situationen erinnern, in denen ich genauso toxisch gehandelt habe und damit beitrage das System des sog. Patriarchats zu fördern:

Ich war es, die meinen Töchtern nicht beigepflichtet hat und sie dadurch unterstützte, als sie von einer Lehrerin darauf hingewiesen wurden, dass sie sich als 16jährige „züchtig“ – ordentlich – in der Schule anziehen sollen, keinen BH-Träger zeigen, möglichst keinen nackten Bauch zeigen, um dann im gleichen Klassenzimmer zu sitzen, in dem Jungs wegen der Temperatur das T-Shirt ausziehen dürfen. Spätestens dann, als bekannt wurde, dass andere Jungs unter der Bank im Unterricht Pornos schauen, hätte ich mich deutlich positionieren müssen.

Die stillen Momente der Ungleichbehandlung: Care-Arbeit, Selbstwert und finanzielle Eigenständigkeit

Weil ich mich daran erinnern möchte, dass mein Verhalten, wenn ich selbst nicht für mich einstehe für meine finanzielle Freiheit, indem ich die gemeinsame Steuererklärung mitmache, für den entwertenden „war doch nicht der Rede wert“ – Umgang mit dem, was ich mit CareArbeit leiste, indem ich obwohl ich hier und da den systemischen Fehler sogar bemerke, meine eigene Meinung still unter den Scheffel stelle, um dadurch bestehende Rollenbilder nicht zu stören.

Und ich möchte mich mir selbst gegenüber erinnern, wenn ich meine Care Arbeit als etwas ansehe, das selbstverständlich ist und damit auch vor mir selbst nicht anerkenne, was ich hier leiste.

Das Patriarchat – was es bedeutet

Ich bin selbst Teil dieses Systems, was das sogenannte Patriarchat stützt, indem es Ungleichbehandlung schürt.

In dem Wort Patriarch, gebildet aus dem lateinischen Wort pater, dt. der Vater, und dem altgriechischen Wort arche-in, dt. herrschen, ist automatisch die Tatsache der Ungleichbehandlung enthalten, wie sie es übrigens auch im Wort Matriarchat wäre:

Das Toxische ist im Begriff der Herrschaft zu finden, in welchem immer ein Oben über ein Darunter bestimmt, gibt es keine Gleichwertigkeit mehr, sodass dann hier immer eine Ungleichbehandlung vorliegt.

Gleichwertigkeit entsteht auf Augenhöhe: Etwa, wenn man vom Begriff des Vaters ausgeht: Hier liegt einer gesunden Vater-Kind-Beziehung eine wertschätzende menschlich gleichwertige Haltung zugrunde, denn ein Vater liebt einfach jedes seiner Kinder in der Regel so, wie es ist, und nicht, weil es ein Junge ist, nicht, weil es ein Mädchen ist, sondern sein Kind, einfach so wie es ist.

Was wir unseren Töchtern und Söhnen vorleben

Ich möchte Teil von einem System sein, was die Frauen stützt, was z.B. meine Töchter ermutigt, sich zu zeigen in ihrer Weiblichkeit: Wenn ich blute (Menstruation), fühle ich mich vielleicht nicht in der Lage heute zur Arbeit zu gehen und dann ist das okay: Ohne Krankschreibung, ohne Beurlaubung, dann ist es einfach okay zu sagen: PauseTag, da muss man sich nicht rechtfertigen, warum das nicht fair ist.

Das ist dann einfach so, wie viele andere Dinge im Leben: Frauen gebären nun mal Kinder. Warum ist es für die schwangere Frau nicht generell möglich, einen vorübergehenden – vielleicht sogenannten Besonderen Ausweis, statt Schwerbehindertenausweis vom Frauenarzt ausstellen zu lassen, damit sie in dieser besonderen Zeit zuverlässig leichter parken kann, denn für schwangere Frauen ist es oft schwierig, die sogenannte Normalität aufrechtzuerhalten.

Und dafür möchte ich mich einsetzen als Frau, dass ich meine Wahrheit ausspreche, dass ich in einer Gruppe, wo Frauen miteinander locker reden, nicht plötzlich verstumme, sobald ein Mann den Raum betritt: Auf einmal wird das Gespräch nur noch tuschelnd oder überhaupt nicht weitergeführt: Worüber haben wir gesprochen? Natürlich hat sie mir erzählt, wie sie sich jetzt eigentlich heimlich abgesichert hat für den Fall der Fälle –   nicht, dass sie sich morgen trennen möchte, aber sie hat sich dafür schon mal abgesichert, und sie geht damit nicht hausieren – schon allein deshalb, weil sie ja niemanden provozieren möchte – und sie erzählt es auch nicht stolz herum wie ein Mann seinen stetig steigenden Aktienkurs, wenn er erfolgreich investiert hat: Nein.

Es ist uns Frauen peinlich, wenn wir für uns für uns einsetzen, wenn wir uns gut um uns kümmern, wenn wir unser Leben selbst gut auf die Kette kriegen. Es ist uns peinlich, wenn wir zu stark sind. Es gibt viele Frauen, die nicht voll arbeiten gehen, gerade, weil die Männer voll arbeiten, einfach um die Männer sich nicht klein fühlen zu lassen, damit der Mann das Gefühl hat, er ist der Starke im Haus, weil er mehr verdient.

Das ist schon krass: Denn wir geben dieses dysfunktionale Rollenbild übrigens nicht nur an unsere Töchter, sondern vor allem an unsere Söhne weiter, weil unsere Söhne uns nicht als die Frau erleben, weil sie nicht mit einer solchen Mutter leben, die ihr Leben im Griff hat und vorlebt, dass sie eine Frau ist, die aus der selbsterlernten Hilflosigkeit ausgetreten ist.

Und die eine Frau ist, die damit andere Frauen stützt, indem sie durch ihr Vorbild dazu ermuntert den Dialog mit dem Partner zu suchen, denn dann muss man sprechen miteinander und sich absprechen um die Kinder und der Aufgaben im Haus Willen.

Frauen stärken statt Frauen kritisieren

Wie schaut die denn aus? Schau mal, wie die rumläuft? Wenn wir auf andere Frauen treffen, geht die Kritik – auch oft nonverbal – sofort los.

Mögen wir Frauen sein, die anderen die Freiheit schenken so zu sein, wie sie sind.

Warum sind wir nicht für uns gegenseitig bessere Schwestern? Warum sind wir nicht für unsere Söhne und Töchter bessere Mütter nicht überprotektiv, nicht bevormundend, nicht mit dazu beitragend, dass die toxischen Rollen abgelegt werden und wir Frauen uns authentisch zeigen, wie wir sind.

Warum Kampf keine Gleichwertigkeit schafft

Gegen das Patriarchale zu kämpfen stärkt diese Rollen:

Selbst wenn wir anfangen, unsere Kinder metrosexuell kunterbunt kleiden, mit Jungs wie mit einem Mädchen zu sprechen und Mädchen das Spielen mit Puppen zu untersagen, ist das teilweise so verkrampft aus dieser jetzt-aber-anders-Haltung heraus, dass ganz klar ist, dass die andere Seite da nach wie vor vorgelebt wird – gerade in unseren Köpfen: Vermutlich spielt das Mädchen als Erwachsene natürlicherweise ihrem Wesen entsprechend besonders gerne mit Kindern, fühlt sich dabei aber nicht wohl, weil sie Angst vor Systemkritik und vor der natürlichen Mütterlichkeit einer Frau hat.

So ist allein die Tatsache zu sagen: Ich mache heute einen Streiktag, denn ich kämpfe gegen das Patriarchat. nichts anderes als Krieg.

Kampf ist Krieg. Krieg ist immer etwas, was sich gegen andere richtet. Krieg ist etwas, was sich auf ein Machtgefälle stützt im Sinne von Einer über dem Anderen (s.o.):

Das ist nicht Gleichbehandlung. Gleichbehandlung ist Balance, heißt: auf einer Ebene gleichwertig zu sein. Zu gleichwertig gehört, dass ich nicht im Kampf gegen den Anderen bin, auch nicht für den Triumph von Frauenrechten über Männerrechte, sondern, dass ich, wie hier gezeigt, weiß trage, um mich selbst daran zu erinnern, wie ich es in meinem Leben anders machen möchte:

Frieden beginnt bei mir

Denn Frieden beginnt immer bei mir.

Er beginnt nicht dann, wenn der Kampf vorbei ist, wenn der Krieg gewonnen ist von einer Seite, nein. Der Frieden beginnt bei mir, indem ich aus dem Kampf austrete und dazu reicht eine Person. Heute trage ich weiß, um mich daran zu erinnern. Vielleicht ziehe ich die weiße Hose auch aus und eine schwarze Hose an, um mich daran zu erinnern, dass ich Ich bin:

 Ja. Eine Frau.

Ich bin nicht gegen.

 Ich bin nicht für.

Ich bin.

Ich bin im Frieden.

Alles Liebe, Sophia

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